[22.07.2008]Das grösste Hindernis auf dem Weg zu einer soliden und nachhaltigen Marktrendite sind oftmals die Anleger selbst. Das Problem liegt in der Tatsache, dass viele Börsianer keine klare Investmentstrategie haben. Die Vorstellung über ein ausgewogenes, diversifiziertes Portfolio fehlt vielfach gänzlich und der persönliche Risikoappetit wird gerne überschätzt.
Das erste Halbjahr 2008 bescherte vielen Anleger eine negative Investmentrendite. Kein Wunder, denn teilweise brachen etablierte Aktienmärkte um über 25 Prozent ein. Zahlreiche Schwellenländer, insbesondere diejenigen im asiatischen Raum, mussten noch stärker bluten. Aber eins steht fest: Einer schlechten Performance darf man nicht nur den Wertpapiermärkten allein die Schuld geben. Oftmals liegt es auch daran, dass die Finanzmarktteilnehmer keine klare Strategie formuliert haben. Ihre Depots sind ungenügend diversifiziert und es fehlt an einer klaren Strategie, die vor allem auch in schlechten Zeiten greifen soll. Mehr dazu finden Sie auch in einem Beitrag mit Dr. Alex Hinder.
Fehlverhalten «Home bias»
Ein anderes Fehlverhalten ist das Phänomen «Home bias». In allen Ländern der Welt ist diese Erscheinung zu beobachten. Anleger investieren am liebsten in heimische Werte. Gemeint ist damit der Fehler, zu wenig das Risiko zu streuen und stattdessen ein viel zu grosses Gewicht auf die heimische Region zu legen. Bias wird übrigens in der Psychologie auch als Gedächtnisfehler bezeichnet. Und wenn man so will, kann man diesen Denkfehler ebenfalls der Vermögensverwaltung vorwerfen. Der Ursprung dieser Besonderheit liegt darin, dass Investoren zu glauben wissen, ein heimisches Investment besser abzuschätzen und unter Kontrolle zu bringen. Dazu spielt natürlich auch die Medienberichterstattung über die inländischen Unternehmen, die deutlich umfangreicher ist. Dieses Paradigma scheint eher ein (teurer) Aberglaube zu sein. Dadurch entstehen nicht nur Renditeverluste, sondern auch Risikosteigerungen.
Mit der Strategie zum Erfolg
Wissenschaftlich nachgewiesen steigt und fällt der Erfolg mit einer klar formulierten Strategie. Meistens kommen Investoren erst denn auf den Plan, sich mit der Anlagestrategie herumzuschlagen, wenn die Bären zu tanzen beginnen. Doch solange die Sonne scheint, muss ein jeder Investor sich mit der strategischen und der taktischen Strategie auseinandersetzen. Sobald die ersten Regentropfen fallen - aber spätestens dann, wenn ein Gewitter oder sogar ein Orkan den Anlegern entgegen bläst - muss die Strategie funktionieren.
Worauf im zweiten Halbjahr setzen
Die Aussichten für das zweite Halbjahr 2008 sehen eher düster aus. Das Wachstum wird sicher weiter verlangsamen, da die Liquiditätslage wegen der verschärften Kreditbedingungen und den steigenden Ölpreisen weiter angespannt bleibt. Zudem kämpfen die Notenbanken mit einer steigenden Inflation, die primär durch die rekordhohen Rohstoffpreise (inkl. Rohöl) angestiegen ist. Weiterhin scheint der Sektor «Agrarrohstoffe» attraktiv zu sein. Die Nachfrage zwischen Nahrungsmittel und Biotreibstoff wird zunehmen. Mehr dazu lässt sich hier abrufen: Säen und ernten - globales Agrargeschäft boomt. Auch Gold bleibt weiterhin attraktiv, vor allem wird die edle Anlage bei den Investoren als Inflationsschutz vermehrt eingesetzt.
Fokus auf «real Assets»
Angesicht hoher Inflations- und schwacher Konjunkturerwartungen sollten Investoren ihr Portfolio vermehrt auf diese beiden Aspekte ausrichten. Engagements in Infrastruktur, Rohstoffe und Edelmetalle scheinen ein vielversprechendes Investment zu sein. Zu vermeiden sind sind in den nächsten Monaten konsumabhängige Sektoren. Inflationsschutzinstrumente (Klassiker: Gold) steigen in der Beliebtheitsskala der Anleger laufend.
(Siehe dazu auch den Beitrag Auf der Mauer, auf der Lauer, sitzt ne …Inflationsgefahr.)