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Schweizer Banken-Nimbus bröckelt

[27.05.2008]Die Schweiz galt lange Zeit als geldmässiger Dreh- und Angelpunkt. In den vergangenen Jahren allerdings hat Helvetia diesen Ruhmesglanz etwas verloren. Der Bankenplatz Schweiz ist sich der Ernsthaftigkeit der Lage aber bewusst, entsprechend hohe Ziele werden gesteckt. Viele Experten glauben, dass mit der geldmässigen Finanzdrehscheibe auch zukünftig zu rechnen ist. Dachhedgefonds dürften diesbezüglich einen wichtigen Teil dazu beitragen.

Mitte September 2007 hat die Schweizerische Bankiervereinigung, der Schweizerische Versicherungsverband, die Swiss Fund Association und die Finanzplatz-Infrastruktur (SWX Group, SIS Group, Telekurs Group) als wichtigste Vertreter des Finanzplatzes Schweiz eine gemeinsame Zukunftstrategie erarbeitet.

Die sogenannte «Vision 2015» tönt sehr gut, macht das Wirtschaftsauge lachend und hinterlässt einen progressiven Beigeschmack, anvisieren die helvetischen Finanzplatzvertreter doch das Ziel, unter die Top 3 weltweit vorzustossen. Wird bis ins Jahr 2015 dieses ambitiöse Ziel erreicht, so das Ergebnis, würden zwischen 40’000 und 80’000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Überdies, rechnen die Vertreter vor, würde man in diesem Fall 11 bis 17 Milliarden Franken an zusätzlichen Steuereinnahmen generieren.

Schweizer Terrain-Verlust
Mit einem Anteil am Bruttoinlandprodukt von rund 15 Prozent und an den gesamten Steuereinnahmen von 16 Prozent ist der Finanzsektor der bedeutendste Schweizer Wirtschaftszweig. Entsprechend trägt er damit und zu grossen Teilen zum Wohlstand in unserem Land bei. Doch auch wenn in etlichen (Hollywood’schen) Filmproduktionen die Schweiz immer wieder als geldtechnischer Dreh- und Angelpunkt figuriert, so hat der helvetische Finanzplatz gegenüber seinen Konkurrenten an Boden eingebüsst.

Dieser Trend verdeutlichen beispielsweise die Wachstumsraten des «Schweizerischen Aushängeschildes Nummer 1»: Auf dem internationalen Parkett erreichen wir bloss noch den sechsten Rang gegenüber Platz 2 in den 80er-Jahren. Die eingangs erwähnten Finanzplatz-Vertreter sprechen in ihrer Medienmitteilung von einem internationalen stark zunehmenden Wettbewerb unter den Finanzplätzen, der heuer global – nicht mehr bloss regional oder national – geführt wird.

Paradies für Fund of Hedge Funds
Das rangmässige Vorpreschen ist also zwingend vonnöten, ansonsten könnte die Schweizerische Bankenszene durchaus Gefahr laufen, ins Uferlose abzurutschen. Für die Reputation der Marke «Swiss Banking» – ohne Zweifel – wäre dies fatal. Insbesondere auch deshalb, weil sich Helvetia den Nimbus als beliebteste Herberge für Fund-of-Hedge-Fund (Dachhedgefonds) schwer und über etliche Jahre hinweg erarbeitet hat.

Gerade diese Industrie erlebt seit längerem einen gewaltigen Boom, der auch auf lange Sicht hinaus nicht abzureissen droht. Fund of Hedge Funds (und Private-Equity-Firmen) zeichnen zu grossen Teilen dafür verantwortlich, dass der Finanzplatz Schweiz mehr ist als nur ein Bankenplatz. Dies bestätigte auch Professor Hans Geiger an einer Präsentation des Forschungsberichts «Swiss Financial Center Watch» in Zürich.

Mangelndes Humankapital
Alleine in der Region Pfäffikon, Kanton Schwyz, dürfte die Fund-of-Hedge-Fund-Branche rund 1’000 Arbeitsplätze umfassen. Schweizweit betrachtet beträgt das verwaltete Vermögen rund 200 Milliarden Franken, schätzen Investmentstrategen. Das ist ungefähr ein Drittel des weltweiten Marktes und alles andere als ein Pappenstil.

Die eigentlichen Hedge Funds fehlen jedoch hierzulande fast zur Gänze. Da hat Helvetia noch einiges an Aufgaben zu bewältigen, Investmentprofis reden in dem Zusammenhang von steuerlichen Nachteilen sowie fehlenden Spezialisten. Und eben solche sind bitter nötig: Hedge Funds gelten als sogenannte «black box», denn die Regulierungen sind im Vergleich zu traditionellen Anlageklassen relativ und salopp ausgedrückt seicht.

Allerdings gehen mit diesen alternativen Investmentvehikeln viel mehr Renditemöglichkeiten einher, weshalb sich diese Instrumente auch in widrigen Marktsituation behaupten können. Doch eben in diesen unzähligen Tätigkeitsfeldern liegt die Crux. Denn je mehr Opportunitäten einem Fondsmanager anheim fallen, desto mehr Know-How und Geschick muss er tagtäglich unter Beweis stellen.

Renditegaranten Fund of Hedge Funds
Zumindest aber im Bereich der Dachhedgefonds gibt es scheinbar genügend Finanzakrobaten, die sich sehr gut im Anlagetummelfeld behaupten können. Gemäss School of Management der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) haben die Fund of Hedge Funds (Dachhedgefonds) das vergangene turbulente Jahr ohne Quartalsverluste gemeistert. Die in der Schweiz registrierten Dachhedgefonds mit Referenzwährung Dollar warfen im Schnitt 10 Prozent Rendite ab – siehe Box «Erfreuliches Hedge-Fund-Jahr» und übertrafen damit die Performance der führenden globalen Aktienmärkten klar.

Selbstverständlich geht der Investor damit mehr Risiken ein, doch alternative Anlagen sind auch nur als Portfoliobestandteil zu sehen – und sollten, zumindest für den risikoaversen Anlegertypus, nicht mehr denn 5 Prozent des Depots ausmachen.

Transformation Swiss Banking
Wie dem auch sei, das traditionelle Bankgeschäft hat sich drastisch verändert. Experten sehen den Begriff «Swiss Banking» von einer Standort- zu einer Herkunftsbezeichnung gewandelt. In Zahlen ausgedrückt: Im Jahre 2006 arbeiteten erstmals mehr Mitarbeiter der Schweizer Institute im Ausland als in der Schweiz selbst.

Regional hat sich im letzten Jahrzehnt das helvetische Finanzwesen konzentriert. Zu den Gewinnern gehört laut der Studie «Swiss Financial Center Watch» der Raum Zürichsee und Zugersee. Aber auch die Genfersee-Region habe in gewissen Nischen zulegen können. Die gegenwärtige Finanzkrise habe der Finanzplatz Schweiz bisher meisterhaft bewältigt – auch wenn dies nicht für einzelne Institute gelte, lässt Geiger verlauten.

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Kommentare (4)

#4 Franziska Funenberg  |  21.08.2008  |  23:23

Sehr gut!

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#3 Stefan Wüthrich  |  20.06.2008  |  13:46

Ich denke, die CH-Banken tun gut daran, sich nicht vom Ausland einzuschüchtern. Es gilt unser Bankgeheimnis zu wahren!

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#2 Martin Birnbaum  |  30.05.2008  |  10:22

endlich mal jemand, der klartext redet. ich persönlich kann die politdiskussionen nicht mehr sehen, in denen keine klare position bezogen wird. zudem ist die schweizer wirtschaft und vor allem die banken bald für das einkommen der meisten deutschen verantwortlich!

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#1 Felix Steiger  |  30.05.2008  |  10:03

Vive la suisse! Sehr gut Herr Mirabaud! Genau so muss man argumentieren und sich nicht einschüchtern lassen von unserem Deutschen Nachbar. Wir sind und leben eine Demokratie.


ERFREULICHES HEDGE-FUND-JAHR

2007 war für die weltweite Finanzindustrie ein eher turbulentes Jahr, bei dem sich eine Krise der anderen die Klinke in die Hand gaben. Nicht so die Hedge Funds - diese sogenannten alternativen Anlagevehikel hingegen warfen im Durchschnitt eine positive Rendite ab.

Der Fachausschuss Alternative Investments der Swiss Fund Association blickt denn auch durch rosige Brillengläser hindurch und erwartet dieses Jahr für Hedge Funds ein durchwegs attraktives Investmentumfeld.

Um detailliertere Informationen zu erhalten, können Sie nachfolgenden Link anklicken:
 
Das HF-Jahr 2007

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MEINUNG ZUR BANKENBRANCHE

"Wie würden Sie Ihre Einstellung zu den Schweizer Banken ganz allgemein bezeichnen?"

(Quelle: M.I.S. Trend 2008)
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