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Wasser - Gefahrenherd und Lebenselixier zugleich

[15.07.2008]Eine Weltbedrohung stellt die Verknappung des Wassers dar. Damit verbunden sind allerdings nicht nur Risiken, sondern auch Opportunitäten, denn das wunderbare blaue Gold ist wie ein Bauchladen voller Investmentmöglichkeiten. Diese sind über den ganzen Erdball verstreut, Schweizer Firmen spielen dabei eine zentrale Rolle.

«Wie der Tropfen auf dem heissen Stein…» «Jetzt ist die Hochzeit ins Wasser gefallen.» «Er ist mit allen Wasser gewaschen.» «Stille Wasser sind tief.», «Mir läuft das Wasser im Mund zusammen.» «Tadle nicht den Fluss, wenn Du ins Wasser fällst.» «Wer dem Nachbarn das Wasser abgräbt, riskiert, darin zu ersaufen.» «Das Wasser ist die Wiege des Lebens, nur mit ihm vermag Leben zu existieren uns sich zu vermehren.»

Egal, ob Sprichwort, Zitat oder Aphorismus – klar ist, dass Wasser vielfältig und ein Bauchladen voller Chancen, aber auch Gefahren darstellt. Wasser macht Leben sowohl für den Menschen als auch für die Natur überhaupt erst möglich. Jedoch wird sauberes Wasser zum zunehmend knappen Gut, was fatale Folgen für alle Formen von Leben hat. Doch was ist überhaupt geschehen?

In den vergangenen Jahren wurden vermehrt naturnahe Bäche, Flüsse, Feuchtgebiete und Seen kanalisiert, trockengelegt sowie mit Dämmen zubetoniert. Ferner verschmutzen Dünger, Schädlingsbekämpfungsmittel, Abwasserhavarien und Industrieunfälle unser Süsswasser. Obendrein verwendet man das kühle Nass für die stark steigende Stromproduktion, für die Wasserversorgung der Industrie und für die landwirtschaftliche Bewässerung.

Kampf ums Wasser längst entbrannt
Innert vier Dekaden wurden weltweit über 50 Prozent der natürlichen Gewässer zerstört. Dadurch minimierte sich beispielsweise die Artenvielfalt um rund die Hälfte. Überdies werden gemäss der Gesundheitsorganisation WHO im Jahre 2025 zwei Drittel der Weltbevölkerung tagein, tagaus mit einem Wassermangel leben müssen.

Der Wasser-Kampf wird folglich immer härter werden. Das kräftig anziehende Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum sowie der Umstand, dass die verarbeitenden Industrien immer mehr Wasser brauchen, dürften diesen Kampf noch weiter verstärken. Fatalismus macht sich breit.

Leidig, folgenschwer und für die missliche Situation exemplarisch ist auch der Fakt, dass das omnipräsente China pro Kopf 75 Prozent weniger Frischwasserreserven als der weltweite Durchschnitt besitzt. Doch was tun, wenn es brennt? Wie kann man dem Negativtrend Einhalt gebieten? Rettung verspricht wohl nur eines, nämlich ein stark angeregtes Nach- und Umdenken. Und dies hat eben erst begonnen.

Willkommener Strukturwandel
Auch wenn das Nach- und Umdenken noch in den Kinderschuhen steckt, so ist es dennoch ein notwendiger Impuls für einen herzerwärmenden Strukturwandel. Denn der wiederum räumt Unternehmen die Chance ein, sich mit ihren neuen Produkten sowie Verfahren auszuzeichnen und sich gegenüber der Konkurrenz positiv abzugrenzen. Diese Gewinner des Wandels frühzeitig zu identifizieren, lohnt sich nicht zuletzt auch für den Investor.

Gerade die Wasserindustrie umfasst gut 600 Gesellschaften mit einer Marktkapitalisierung von insgesamt rund 1800 Milliarden Franken. Eine Überforderung des interessierten Anlegers ist da bei der Firmenselektion auf den ersten Blick schon vorprogrammiert. Beim genaueren Hinschauen fällt jedoch auf, dass sich rund die Hälfte auf die – zukunftsträchtige – Technologie (Reinigung, Pumpen, Filter, Aufbereitung) spezialisiert hat.

Damit ist das Selektionsbrot allerdings nur mit Butter und noch nicht mit Konfitüre bestrichen. Auch unter 300 Firmen die besten zu rekrutieren, kann zur Herkulesaufgabe werden. Abhilfe schafft da eine Zürcher Firma namens Inrate, die Nachhaltigkeitsratings vergibt. Gemäss Inrate erfüllen auf globaler Ebene nur etwa 50 Unternehmen diese hohen Auflagen.

Marode Infrastruktur als Chance
Dreht man als nachhaltiger Investor seinen Gedankenstrick konsequent zu Ende, so dürften lediglich Titel den Weg ins Portfolio finden, die folgenden (Inrate-)Anforderungen gerecht werden: hohe Wassereffizienz der Produktion, überdurchschnittlicher Leistungsausweis in der Ökologie, keine Verstösse gegen soziale Mindeststandards, keine Kernenergie-Tätigkeit, kein Liebäugeln mit der Rüstungsindustrie, strikte Einhaltung der Menschenrechte.

Eines der herauskristallisierten Unternehmen ist der britische Wasserversorger und -entsorger Kelda Group. Dessen «Tochter» Yorkshire Water fördert Massnahmen zum Wassersparen und hat die Leckrate ihres Leitungsnetzes, das rund 5 Millionen Kunden versorgt, bereits deutlich reduzieren können.

Man geht übrigens davon aus, dass etwa 50 Prozent des in London verwendeten Leitungswassers wegen mangelhafter Infrastruktur ungenutzt versickert. In absehbarer Zeit werden daher riesige Geldsummen für Renovationen frei gelegt. In Übersee müssen heuer gemäss der US Environmental Protection Acency (EPA) 60 Milliarden Dollar in den Unterhalt der Leitungssysteme investiert werden – und zwar jährlich.

Vorhang auf für 1000 Milliarden
Bis ins Jahr 2020 prognostiziert die EPA eine kumulierte Investitionssumme von über 1000 Milliarden Dollar, um die Trink- wie Abwasserinfrastruktur des Landes instand zu halten und den notwendigen Netzausbau zu gewährleisten. Für europäische Breitengrade gehen die Experten von bis zu 250 Milliarden Euro aus. Kelda Group kommt infolge der Sanierungsnotwendigkeit mehr als nur zum Handkuss.

Handküsse könnte der Anleger eventuell auch vom US-Nachbarn Kanada, sprich von Bioteq Environmental Technologies, erhalten. Das ebenfalls Inrate-kompatible Unternehmen aus der Bergbaubranche hilft Minenbetreibern bei der Reinigung von Abwasser, das meist mit Schwefelwasserstoff, Schwermetallen o. ä. kontaminiert ist. Glücklicherweise nicht kontaminiert ist das Mittelmeer, wo ebenfalls eine Investmentopportunität schlummert. Im östlichen Teil des Mittelmeeres befindet sich die griechische Eurodrip. Sie fabriziert effiziente(re) Anlagen für die sogenannte Mikrobewässerung.

Löbliches Schweizer Beispiel
Im weiteren Sinne bewässern, nämlich durch Sanitäranlagen, tut auch die im SPI gelistete Geberit. Mit seinen wassersparenden Toiletten trägt unser Schweizer Vertreter nachhaltigen Kriterien Rechnung. Helvetia kann also auch in diesem Bereich ihr scheues Mäntelchen abstreifen und sich mit aufgeschwellter Brust dem Weltrest präsentieren.

Nichtsdestotrotz ergibt sich mit Einzeltitelengagements das Problem des Klumpenrisikos. Daher dürften sich für die Majorität der Investorengemeinde diversifizierte Anlagen besser eignen. Unter anderem Finanzhäuser wie Pictet (Pictet Water Fund, LU0104884860), SAM (SAM Sustainable Water Fund, LU0133061175) oder Sarasin (Sustainable Water Fund, LU333595436) hauchten Wasserfonds bereits Leben ein. Swisscanto (Swisscanto Equity Fund Water Invest, LU0302976872) hievte ebenfalls einen Wasserfonds aus der Versenkung und bietet der Anlegerschar seit Mitte September 2007 ein in Euro denomminiertes Vehikel für eher risikoorientierte Investoren an.

Daneben besteht ein Sammelsurium an entsprechenden strukturierten Produkten, das sich dem Wasserspektrum verschrieben hat. Für Freunde des passiven Investierens lassen sich spannende Exchange Traded Funds (ETFs) finden, siehe Box zur rechten Seite. Mit einer breiten Risikostreuung und tiefen Kosten kann man sich damit kopfvoran ins anlagetechnische Tummelfeld des Wassers stürzen!

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Kommentare (2)

#2 Werner Hunsperger  |  16.07.2008  |  23:59

Interessanter Artikel über eines der brennenderen Themen unserer Zeit. Nebst "Clean Energy" ist Wasser eine der wichtigsten Ressourcen. Kein Leben ohne genügend Wasser. Ganz nebenbei haben meine Wasserinvestments eine hohe Krisenresistentenz bewiesen.

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#1 frank  |  16.07.2008  |  09:08

spannender beitrag über ein thema, das aktueller nicht sein kann. text und interview sind angenehm zu lesen/schauen. kompliment.


KAPITALGESCHÜTZTE PRODUKTE

Diese Vehikel erlauben in risikobehafteten Anlagen zu investieren, da sie ein Sicherheitsnetz bieten.

Entwickelt sich der Basiswert negativ, erfolgt eine Rückzahlung in Höhe des eingesetzten (nomi-
nellen) Kapitals – multipliziert mit dem Kapitalschutzfaktor.

Steigen hingegen die Preise an, partizipiert der Finanzakteur zu einem bestimmten Grad am posi-
tiven Kursverlauf.


  • ABN Water Stocks Index, EUR, CH0029850200
  • CL Wasser Basket, CHF, CH0033811628
  • Vontobel Wasser Basket II, CHF, CH0032650043
  • VT Bonus Income Wasser, EUR, CH0034399482
  • VT Wasser Basket, CHF, CH0032650084
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