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ETF auf dem Vormarsch

[16.06.2009]Die indexnahen Anlageinstrumente ETF (Exchange Traded Funds) haben ihren Popularitätsgrad nicht nur in den USA, sondern auch im europäischen Umfeld drastisch gesteigert. Aus dem neuzeitlichen Depot sind diese kosteneffizienten Vehikel denn auch nicht mehr wegzudenken. Doch so einfach ihre Funktionsweise anfangs auch erscheint sind sie nun doch nicht. Da kommt die ETF-Tour gerade recht.

Exchange Traded Funds, ETF, waren in Übersee schon lange äusserst populär. Diese Popularität ist in jüngster Vergangenheit stark nach Europa übergeschwappt. Inzwischen ist die schnellst wachsende Anlageform – die überdies auch als das kosteneffizienteste Investmentvehikel gilt – aus dem modernen Portfoliokontext nicht mehr wegzudenken.

Einfach nicht einfach
Seinen festen Platz hat auch die schweizweit gastierende und bereits zum dritten Mal durchgeführte ETF-Tour, jeweils veranstaltet vom unabhängigen Verlagshaus financialmedia AG. Auch in diesem Jahr hat es sich wieder herauskristallisiert, dass einerseits (wie eingangs erwähnt) ETF in der Anlegergunstskala ganz weit oben stehen.

Anderseits verdeutlichte die überdurchschnittlich hohe Teilnehmerzahl sowie die regen Interaktionen zwischen Referenten, Moderator und dem Publikum, dass noch viele Unklarheiten im Raum herumstehen, so «einfach» ETF auch immer zu sein scheinen. Um diesen Umstand ans Bein zu treten und auch um diejenigen mit Informationen zu beliefern, die der ETF-Tour nicht beiwohnen konnten, kristallisiert investchannel.ch (in Zusammenarbeit mit 10x10.ch) einige spannende «Q&A» aus der breit gefächerten Welt der ETF heraus:

Auf welche Faktoren sollte man bei einem ETF-Investment generell achten?
Das Wichtigste ist das Festlegen der Anlagestrategie und der dazugehörenden Markterwartung. Also welches Exposure möchte man auf- oder abbauen. Wenn die Strategie klar definiert ist, kann man sich nun den dazu passenden ETF suchen. Dabei lohnt sich ein Vergleich der Gebühren und noch besser der jeweiligen Tracking-Errors. Denn das Ziel eines jeden ETF-Investments ist es, eine Rendite zu erzielen, die nach Abzug aller Kosten möglichst exakt der Rendite des zugrunde liegenden Basiswertes entspricht. Die Währung ist ebenfalls kritisch zu beurteilen. Die Handels- und Fondswährung müssen nicht identisch sein. Sind beide Währungsparameter identisch, besteht kein Währungsrisiko innerhalb des ETF; ein Währungsrisiko zum eigenen Depot kann jedoch weiterhin vorhanden sein. In diesem Fall kann der ETF je nach Währungsentwicklung daran gewinnen oder eben auch verlieren. Auch die Handelskosten sollten akribisch verglichen werden, also die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. Diese sollte möglichst gering sein.

Wie viel Gewicht sollte dem Spread geschenkt werden?
Der Spread kann auch als Handelskosten betrachtet werden und ist somit wichtig. Denn die Kosten fressen bekanntlich die Rendite. Somit ist eine hohe Liquidität – die Möglichkeit jederzeit ein- bzw. auszusteigen – ein wichtiges Entscheidungskriterium. Zudem sollte der ETF möglichst einen engen Spread aufweisen. Dabei ist aber zu beachten, dass ein ETF auf einen liquiden Index logischerweise eine engere Geld-Brief-Spanne aufweist als beispielsweise ein ETF auf Schwellenländer.

Zeigt die Management-Gebühr die gesamten Kosten eines ETF?
Nein, die gesamten Kosten werden erst mit der Total-Expense-Ratio (TER) ersichtlich. Aber, und das ist ein ganz zentraler Unterschied gegenüber vielen anderen Produkten: Das Ziel eines ETF ist die möglichst exakte Replizierung des zugrundeliegenden Index. Denn schliesslich erwartet ein ETF-Investor, möglichst exakt die Rendite des Index zu erhalten. Die Abweichung der ETF-Rendite zur Index-Rendite wird mittels des Tracking-Errors (TE) beurteilt.

Was geschieht mit einem ETF, wenn der Index neu gewichtet wird?
Bei einer Neugewichtung des Index muss dies selbstverständlich auch der ETF vollziehen. Es liegt im Ermessen der Fondsgesellschaft, zu welchem Zeitpunkt die Neuanpassungen vollzogen werden. Bei swapbasierten ETF ändert für den ETF-Anbieter nichts, denn der Anbieter hat mit seinem Swappartner eine Vereinbarung, in der sich dieser verpflichtet, die Indexrendite zu zahlen.

Was geschieht mit den Dividenden?
ETF profitieren von den Dividendenausschüttungen (oder Zinserträgen) der im Fonds befindlichen Aktien/Obligationen. So werden bei Fonds auf Performanceindizes (Total-Return-Index) die Dividenden reinvestiert, bei Kursindizes an die Anteilsinhaber ausbezahlt. Bei Indexfonds auf Kursindizes unterscheiden sich die Auszahlungsfrequenzen von Anbieter zu Anbieter. Die erhaltenen Dividenden werden bis zur Auszahlung im Cashbestand des Fonds geführt.

Warum gibt es praktisch keine ETF, die einen einzelnen Rohstoff abbilden?
In der Schweiz sind die Gold-, Silber-, Platin- und Palladium-ETF der ZKB und der Julius Bär (Gold und Silber) bekannt. Alle diese ETF sind nach schweizerischem Recht aufgesetzt und investieren physisch in die Edelmetalle. Eine physische Investition in andere Rohstoffe (etwa Weizen, Öl ...) ist für einen Anbieter unsinnig. Ein Anbieter kann also einen Rohstoff-ETF nur aufsetzen, wenn er diesen mittels einer synthetischen Replikation abbildet. Und gemäss den europäischen Fondsrichtlinien UCITS III muss ein ETF mindestens sieben verschiedene Positionen aufweisen. Eine andere Möglichkeit, um direkt in einen Rohstoff zu investieren, bieten die ETC (Exchange Traded Commodities) und die vielfältige Welt der strukturierten Produkte an. Doch beide Produkttypen geniessen nicht den Schutz des Sondervermögens und weisen Gegenparteienrisiken auf. Somit empfiehlt es sich, den Anbieter genau zu prüfen und die Positionen zu diversifizieren.

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Kommentare (3)

#3 Sylvia Comi  |  19.06.2009  |  13:44

diese ETF Tour habe ich in Zürich besucht. Die war sehr gut, wenig Fachchinesisch und viel Kundenfokus. Apéro und Geschenke rundeten den gelungenen Abend optimal ab.

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#2 Marianne Tschumi  |  17.06.2009  |  16:21

Ich verstehen nicht, dass es noch immer solche gibt, die den ETF den Garaus machen. Ich bin zwar kein Experte, aber überzeugt davon, dass aktiv verwaltete Fonds im grossen Stil viel schlechter abschneiden. Und das spricht ja für sich bzw. für ETF. Die 10x10-Seite ist übrigens hervorragend, kostenlos sogar!

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#1 Hannes Frauchiger  |  16.06.2009  |  19:44

ETFs bergen auch Gefahren. Denn was geschieht bei den "neuen" Indizes, wie Hebel oder Short, wenn die Kunden ihr Vermögen abziehen und dann der Anbieter den Fonds schliesst. Denn damit so ein Vehikel rentiert, sollten einige Millionen im Fonds verwaltet werden. Desegen: OBACHT!


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